Die starke Sehnsucht nicht zu wissen

Was nützt Philosophie? Was bringt mir Weisheit? Können Menschen wichtige Dinge nicht wissen oder wollen sie diese nicht wissen? – Im Film «Die Liebe zur Weisheit» sprechen die Philosophen Jochen Kirchhoff und Hauke Ritz und der Theologe und Psychotherapeut Eugen Drewermann über Philosophie, Erkenntnis, Wissen, Wahrheit und Weisheit. Dieser Film von Victoria Knoblauch ist eine Perle für alle, die ihr Leben nicht nur erleiden und von anderen gestalten lassen, sondern selber in die Hand nehmen wollen. Und für alle, die das Leben in seiner Tiefe interessiert.

Als Beispiel aus dem Film eine Erklärung von Hauke Ritz dazu, wie Menschen etwas – was auch immer – wirklich verstehen lernen können:

«… Wenn ich den Gegenstand wirklich erkennen will, dann muss ich ihn geistig abtasten. Dann muss ich den Raum nicht der zehn Argumente sondern mindestens der hundert Argumente betreten. Dann öffnet sich eine komplexe Argumentationslandschaft, in der viele verschiedene Elemente zueinander in Beziehung stehen. Dann trete ich in eine Art geistige Kontemplation ein, in der diese hundert verschiedenen Aspekte und Perspektiven sozusagen zu einer Art geistigem Raum werden, in dem ich mich bewege und in dem ich dann den Gegenstand abtasten kann. Und dann fällt in der Regel die Scheinwahrnehmung des Gegenstandes, dass Masken gegen den Coronavirus helfen, dass der Klimawandel nur von Menschen verursacht worden ist, dass Russland sozusagen eine totalitäre Diktatur ist, ähnlich wie zu Zeiten Stalins. Diese Klischeewahrnehmungen brechen dann in der Regel in sich zusammen, weil sie beruhen nur auf zehn klischeehaften Argumenten und sie stellten eine Art Scheinwirklichkeit dar, die dann eben zerfällt, weil man einfach die empirische Basis ausweitet. Nun, trotzdem gibt es sehr viele Menschen, die fühlen sich sehr wohl in diesen zehn Argumenten. Wenn man ihnen dann sozusagen den grösseren Denkraum präsentiert, wollen sie ihn gar nicht betreten, und das hat auch einen Grund: Denn Erkenntnis ist nie umsonst zu haben. Denn in dem Moment, wo man etwas erkennt, geht damit auch Verantwortung einher. Wenn zum Beispiel ein Mensch in der Zeit des Nationalsozialismus den illegitimen Charakter dieser Regierungsform erfasst hatte und vielleicht auch verstand, was mit der jüdischen Bevölkerung in Deutschland passierte, dann war er darauf unmittelbar verpflichtet, dann auch jemandem zu helfen, vielleicht jemanden bei sich in der Wohnung zu verstecken. Und weil Wissen nie ohne diese Verantwortung  zu haben ist, gibt es eine starke Sehnsucht, nicht zu wissen. Also, viele Menschen verstehen unbewusst, dass Wissen mit Verantwortung einhergeht und entscheiden sich bewusst für einen Lebensweg, der möglichst die Dinge nicht im Detail weiss, weil da das eine Befreiung von Verantwortung mit sich bringt. Ein Mensch, der sozusagen im Lichte der Wahrheit leben möchte, der die Dinge umfassend erkennen möchte, der Wesen und Schein möglichst tief voneinander unterscheiden möchte, der muss ein Leben in der Verantwortung führen, der muss in gewisser Weise auch ein selbstloses Leben führen und er muss dann am Ende auch ein Leben führen, das absieht von dem sozialen Status. Ein Mensch der sagt, die Wahrheit ist das Wichtigste, für das ich im Leben leben möchte, der muss bereit sein, seinen sozialen Status wegwerfen zu können.»

Informationen zum Film: Die Liebe zur Weisheit, 2024, Deutschland, Victoria Film Production.

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Wie lange lässt sich Gott noch finden?

«Die Menschen haben Gott vergessen, und das ist der Grund für ihre Probleme der Gegenwart. Wir werden keine Lösungen finden ohne die Umkehr des Menschen zum Schöpfer aller Dinge!»

Das sagte der russische Schriftsteller Alexander Solschenizyn.

Unsere Gesellschaft ist inzwischen so weit von Gott entfernt, dass sie nicht einmal mehr ahnt, wer Gott ist, was er vermag und wie wir unsere Bestimmung verfehlen, wenn wir ohne Gott oder gar gegen ihn leben. Bestenfalls meinen viele Leute, Gott zu kennen, als «lieben alten Mann», der immer lieb und gut zu sein hat und wo sein Wort (die Bibel) unseren Vorstellungen nicht entspricht, ignorieren wir ihn oder deuten ihn um oder sind sicher, dass seine Gebote damals galten und wir heute durchaus intelligenter sind und unsere eignen Regeln machen können.

Wer sich mit der Bibel befasst, wird bald feststellen, dass Gott nicht blöddumm lieb ist, alles mit sich machen lässt und dankbar ist für jeden oder jede, die mal «Oh mein Gott!» ruft, ein Stossgebet gen Himmel schickt oder sich an einer Taufe, Hochzeit oder Beerdigung eine Stunde in eine Kirche setzt. – Nein!

Das Alte Testament erzählt die Geschichte Gottes mit seinem Volk Israel und zeigt, dass es dem Volk Israel gut ging, wenn es Gott gehorchte und dass es ihm übel erging, wenn es von ihm abfiel. Ja man liest, wie Gott sein Volk durch Propheten warnte und wenn sie nicht umkehrten und weiterhin Übles taten, liess er sie bekriegen, aus dem Land vertreiben, in die Sklaverei kommen und verfolgen. Gott ist ernst zu nehmen! Gott ist ein Gott der Liebe, der Gnade, des Segens, der Vergebung, der Hilfe, des Heils und der Zuneigung. Die Bibel zeigt aber klar, dass Gott auch zornig werden kann und mit welcher Macht er irgendwann eingreift. Einige Bücher der Bibel und vor allem das letzte Buch (Offenbarung) zeigen, wie Gottes Gerichte in der Endzeit sein werden. Wir er die Gerechtigkeit und seine Ordnung wieder herstellen wird. Mit gewaltiger Macht!

Wer meint, er brauche Gott nicht, den lässt Gott machen. Wenn man sich in der Welt umschaut, sieht man, dass die Menschen es ohne Gott nicht wirklich können. Die gottlose Welt versinkt immer mehr in Falschheit, Ungerechtigkeit, Krankheit, Gewalt, Tierquälerei, Verlust an Biodiversität, Umweltverschmutzung, Hunger und Krieg.

Der Prophet Jesaja (55:6-7 HFA) sagte etwas, das einem nachdenklich machen sollte. «Sucht den HERRN, solange er sich finden lässt! Betet zu ihm, solange er euch nahe ist! Hast du dich gegen Gott aufgelehnt? Bist du eigene Wege gegangen und eigenen Plänen gefolgt? Dann hör auf damit! Kehr deinem alten Leben den Rücken und komm zum HERRN! Er wird sich über dich erbarmen, denn unser Gott ist gern zum Vergeben bereit.»

Wenn Jesaja sagt, man solle Gott suchen, solange er sich finden lässt, dann heisst das wohl auch, dass die Zeit kommt, in der sich Gott nicht mehr finden lässt, auch wenn man ihn sucht. Also: Verliere keine Zeit. Verpasse nicht deine Chance!

Zur Vertiefung von Pastor Jakob Tscharntke: GAME OVER | DASS KEINE ZEIT MEHR SEIN WIRD!

Es ist gefährlich, nicht dumm zu sein

«Die Menschen sind gar nicht so dumm. Es ist aber gefährlich, nicht dumm zu sein, denn wenn man nicht dumm ist, widerspricht man, kritisiert, äussert Meinungen, die unpopulär sind. Und aus Sicherheitsgründen ist es besser, sich dumm zu stellen. Und das ist ein Prozess, der nicht notwendigerweise bewusst sein muss.»

Dies sagte Erich Fromm 1979 in einem SRF-Interview, das auf YouTube verfügbar ist unter dem Titel «Erhalten kann man das Leben nur, wenn man die Welt liebt». Im gleichen Interview sagte Fromm etwas später: «Wir reden ja hier nicht von sehr komplizierten, schwierigen Gedanken, sondern davon, dass die Realität verborgen wird unter einer Decke von was man auf Englisch common sense nennt, gesunder Menschenverstand. Und dass die Menschen Angst haben, von ihrem eigenen Denken Gebrauch zu machen, weil jeder doch das Minderwertigkeitsgefühl hat, oder die Meisten: Wer bin ich denn, dass ich hier etwas sagen soll oder denken soll, wovon die Mehrheit gar nichts wissen will.»

Und so wird, weil Menschen Angst oder Minderwertigkeitsgefühle haben, viel Wichtiges nicht gesagt. Man getraut sich gar eher, einen Unsinn zu erzählen, als eine ungeheure Wahrheit, denn das Zweite ist gefährlicher.  Damit bleibt das Wort vornehmlich unter der Hoheit der Medienleute, der Politiker oder anderer Vertreter harter Eigeninteressen. Erich Fromm erwähnt, dass bereits Kant sagte «Sapere aude! – Wage zu wissen!». Dieses Wissen, das man zu denken wagt, muss auch noch geboren werden, muss in die Welt kommen, sonst wird es nicht Wirklichkeit, sonst kann es nicht wirken, nicht wachsen.

Deshalb: Wage zu Wissen! – Das ist spannend und kann die Welt etwas besser machen. Man lebt nicht wirklich, wenn man andere für sich denken und entscheiden lässt. Erich Fromm sagte zwar: «Die Menschen haben vergessen, dass vor allem die eigene Anstrengung, und zwar die wirkliche Anstrengung, die Bedingung für eine Verbesserung ist.» – Aber das heisst zweierlei: Verbesserung ist anstrengend, aber sie ist möglich! 🙂

Die Macht der Gedanken

Das Hörbuch „Die Macht der Gedanken“ ist spannend. Wegen des ersten Teils des YouTube-Titels hätte ich den Beitrag beinahe übergangen. Nun freut mich, dass ich mir dieses Buch trotzdem angehört habe.

«Die Macht der Gedanken», von Henry Thomas Hamblin
Originaltitel: The Power of Thought (1929)

Selber denken

Die meisten Menschen wissen viel zu erzählen – ohne dass sie dabei zu denken bräuchten. Sie erzählen nach, was sie irgendwo gehört oder gelesen haben. Bertrand Russell sagte: «Viele Menschen würden eher sterben als denken. Und in der Tat: Sie tun es.» Oder sie werden es tun.

Was hält Menschen vom Selberdenken ab? Wieso sind so viele nicht (mehr) bereit oder nicht mehr fähig, selbst zu denken? Also Fragen zu stellen und nach Antworten zu suchen? Wieso übernehmen sie unkritisch plumpe Propaganda? Wieso lassen sie sich manipulieren und ihr Denken von anderen steuern? Ohne Widerstand. Ohne Interesse. Ohne echtes Leben.

Kaum je war das «gelenkte Denken» verbreiteter als heute. Es wird behauptet, was «Autoritäten» sagen, ohne auch nur ansatzweise zu hinterfragen oder gar einen Sachverhalt anhand von alternativen Fakten zu prüfen. Ist es Opportunismus (Wikipedia: zweckmässige Anpassung an die jeweilige Lage)? Ist es Feigheit? Dummheit? Bequemlichkeit? Ist es Erschöpfung wegen aufreibender Arbeit, Beziehung oder Familie? Ist es Passivität aufgrund zu intensiven Medienkonsums? Oder ist es Verdrängung? Das heisst, dass Menschen Dinge nicht sehen wollen oder können, weil diese nicht sein dürfen? Weil es unangenehm oder furchteinflößend wäre? – Auch wenn man Dinge ausblendet, existieren sie natürlich trotzdem – und sie entwickeln sich. Und können schliesslich alles zerstören.

Oscar Wilde sagte: «Wer nicht auf seine eigene Art denkt, denkt überhaupt nicht.» Immanuel Kant bezeichnete Menschen, die nicht selbst denken als «unmündig». Wie auch immer: Viele Menschen glauben, sie könnten ihre Verantwortung delegieren. An Politiker, Medien, Experten oder sonst jemanden. Aber letztlich bleiben sie verantwortlich für das, was sie tun oder nicht tun und auch für das, was sie sagen oder nicht sagen. Alle bleiben selbst verantwortlich. Immer.

Dietrich Bonhoeffer fasste es wie folgt zusammen: «Schweigen im Angesicht des Bösen ist selbst böse. Gott wird uns nicht als schuldlos betrachten.» In der Bibel heisst es: «Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.» (Sprüche 4:23)

Unter welchen Umständen würden wieder mehr Menschen selbstständig denken? – Das ist eine entscheidende Frage. Nichts ist gefährlicher als viele Menschen, die ihr eigenständiges Denken aufgegeben haben. Sie sind die nützlichen Idioten böser mächtiger Menschen. Menschen dagegen, die denken und dabei die feine Stimme ihres Gewissens noch wahrnehmen, haben das Potenzial, die Welt besser zu machen.